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Apr 30

Pressemitteilung der DStatG

Statistiker fordern Transparenz bei Corona-Daten

Die Deutsche Statistische Gesellschaft (DStatG) fordert alle Produzenten von Corona-Daten zu mehr Transparenz bei der Veröffentlichung und Interpretation pandemierelevanter Daten auf. „Die deutsche Öffentlichkeit tastet sich derzeit durch einen Nebel widersprüchlicher und zum Teil irreführender Daten hindurch“, erklärt der DStatG-Vorsitzende Prof. Wolfgang Schmid. Die DStatG kritisiert insbesondere einen unreflektierten Umgang mit der zentralen Größe „Anzahl der Corona-Infizierten“. „Die dazu in den Medien verbreiteten Zahlen sind in vielen Fällen nicht aussagekräftig“, so Schmid. Insbesondere sei die Zahl der als infiziert Gemeldeten nur als Untergrenze zu gebrauchen. Da die Dunkelziffer der Infizierten, aber nicht als infiziert gemeldeten, über Raum und Zeit stark variiere, seien die von der Johns-Hopkins Universität und dem Robert Koch Institut publizierten Zahlen nur mit großer Vorsicht als Basis für politische Entscheidungen zu gebrauchen.

„Als Folge falscher Infiziertenzahlen sind auch viele Todesraten und die darauf basierenden Länder-, Zeit- und Regionalvergleiche nur beschränkt interpretierbar,“ so Schmid weiter. Auch die gemeldeten Daten über Todesfälle seien hinsichtlich ihrer Ursachenzuordnung zweifelhaft und daher geeignet, deren Aussagekraft zu beeinträchtigen. Wichtig sei das Erfassen aller vorhandenen Informationen über die Todesursachen im Rahmen der amtlichen Todesursachenstatistik. Hierdurch könnte differenzierter als bisher der Einfluss von Covid-19 als direkte oder indirekte Todesursache sowie vorliegende Komorbiditäten in Form einer multikausalen Todesursachenstatistik dargestellt werden. Für eine deutlich höhere Aktualität sollte ­­­zeitnah die Einführung einer elektronischen Todesbescheinigung geprüft und umgesetzt werden. Darüber hinaus schlägt d­­­ie DStatG eine von Statistik-Experten begleitete repräsentative wiederholte Stichprobenerhebung zur korrekten Messung der Corona-Morbidität vor, wie sie zu anderen Zwecken seit Jahrzehnten üblich ist. Über die virologischen und medizinischen Daten hinaus ist es nach Ansicht der DStatG unerlässlich, weitere sozio-ökonomische und psycho-soziale Folgen von COVID-19 zu beobachten bzw. die sozio-ökonomischen Ursachen unterschiedlicher Prävalenzen zu untersuchen, um die Pandemie besser zu verstehen und der Politik eine belastbare Grundlage für datenbasierte Entscheidungen zu liefern.

Contact Person:

Prof. Dr. Wolfgang Schmid

Office of the German Statistical Society

Postfach 1154

15201 Frankfurt (Or)

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